Krimlegende – Die Meerjungfrau und der Brunnen bei Mischor

Krimlegende – Die Meerjungfrau und der Brunnen bei Mischor

Es war einmal ein bescheidener Arbeiter, Abiy-Aka, im Dorf Mischor. Er hat eine Tochter, die dunkeläugige Schönheit Arzy. Ihre Statur war geschmeidig und schlank wie eine Rebe, ihre hellen Lippen leuchteten wie reife Kirschen und ihre zarten Wangen waren rosig wie samtige Pfirsiche. Jeder bewunderte den charmanten Arzy, aber ein schlauer alter Mann, Ali-Baba mit Namen, sah sie aufmerksamer an als jeder andere. Der alte Türke war dafür berüchtigt, schöne Mädchen zu entführen und sie nach Stambul zu schicken, um sie an die Harems der Türken zu verkaufen.

Die Zeit verging und das Mädchen wurde von Tag zu Tag schöner. Sie kam oft zu ihrem Lieblingsbrunnen und saß dort, blickte auf die Wellen am Ufer und dachte an einen fröhlichen Kerl aus einem abgelegenen Bergdorf, den sie einmal in der Nähe des Brunnens getroffen hatte.

Bald kam der Tag, an dem der Kerl seine Heiratsvermittler schickte. Die Hochzeit der schönen Arzy wurde im Dorf Mischor fröhlich gefeiert. Als die Dämmerung über das Ufer hereinbrach, wollte Arzy sich von ihrem Lieblingsbrunnen verabschieden.

Das Mädchen ahnte nicht einmal, dass mehrere hinterhältige Augen sie beobachteten. Plötzlich ... packten zwei hartnäckige Hände das Mädchen, wickelten es in einen Umhang und machten sich sofort auf den Weg zum Meer.

Ali-Baba bekam eine große Summe Geld für Arzy und das Mädchen wurde im Harem des Sultans eingesperrt.

Nicht nur die unglücklichen Eltern und der Verlobte vermissten das arme Mädchen sehr, auch ihr Lieblingsbrunnen verdorrte.

Arzy hatte Heimweh, sie machte sich Sorgen. Während ihrer Gefangenschaft wurde ein Kind geboren, aber sie war nie glücklich. Ein Jahr nachdem die Räuber sie an der abgelegenen Krimküste gefangen genommen hatten, kletterte sie mit dem Baby im Arm auf den Turm des Serails des Sultans und stürzte sich in den Bosporus.

Am selben Abend näherte sich eine traurige Meerjungfrau mit dem Baby im Arm dem Brunnen in der Nähe des Mischor-Ufers.

Seitdem tauchte einmal im Jahr die Meerjungfrau mit dem Baby aus den ruhigen Wellen des Meeres auf. Sie ging zum Brunnen, setzte sich ans Ufer und blickte auf ihr Heimatdorf. Und dann versank er im Meer und verschwand bis zum nächsten Jahr.


Mischor – ein Ferienort an der Südküste der Krim;

Serail – ein Sultanspalast;

„Die Meerjungfrau“ und „Der Brunnen von Arzy“ von der Skulptur Amandus Adamson an der Küste von Mischhor sind die weithin bekannten Skulpturengruppen aus Bronzefiguren.

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